• Tamara im Atelier

Malen mit Acryl – die minimalistische Palette

In meinen Workshops male ich überwiegend mit Acryl. Warum? Weil Acryl einem die meisten Fehler verzeiht und die Teilnehmer so schneller ein Erfolgserlebnis haben und dadurch motiviert bleiben.

Acryl kann IMMER übermalt werden. Und wenn man Angst hat Fehler zu machen und sein Bild zu versauen ist das eine enorme Erleichterung zu wissen, dass man immer noch mal drüber gehen kann. Manchmal muss die Stelle dafür erst trocken sein und um das zu beschleunigen kann man mit niedriger Hitze föhnen. Aber man KANN wirklich jede Stelle noch mal neu machen und es schadet dem Endergebnis kein Stück.

Acrylfarben sind auch sehr vielseitig. Man kann damit pastos arbeiten – also richtig dick, sodass man die einzelnen Schichten und Pinselstriche, sobald sie fest sind, mit den Fingern ertasten kann. Oder auch fast wie mit Aquarellfarben, wässrig und durchscheinend. Beides ist möglich.

Gute Acrylfarben sind immer noch gut erschwinglich und eignen sich sowohl für Profis, wie auch für blutige Anfänger. Für täglich-Maler wie auch ein-Mal-im-Jahr-Maler. Die Farben bleiben lange gut, wenn die Behälter luftdicht verschlossen sind und am besten lichtgeschützt in einer Kiste, bei Raumtemperatur gelagert werden. Nach einigen Jahren, wenn sie zu nah an der Heizung standen und anfangen zu müffeln (manchmal nach Fisch, aus welchen Gründen auch immer), sollte man sie entsorgen. Ansonsten überstehen sie mühelos jahrelange Nichtbeachtung, oder auch wenig-Beachtung. ;)

Man braucht nicht sehr viel, um mit der Acrylmalerei zu starten. Und es gibt zahlreiche Alternativen, die man bei sich zu Hause findet. Aber was genau benötigst du wirklich und was ist nur fancy Schnickschnack? Ich habe für dich mal eine Einkaufs- bzw. Suchliste zusammengestellt:





Pinsel


Meine Empfehlung ganz klar kaufen. Wenn man irgendwelche, traurig-zerrupfte Schulpinsel nimmt, braucht man sehr viel Erfahrung und Fingerspitzengefühl, um damit stressfrei malen zu können und die Ergebnisse zu erzielen, die man will. Spar dir den Stress, kauf dir lieber ein paar gute Pinsel.

Ich empfehle synthetische Borsten. Du brauchst auch nur insgesamt vier Stück. Zwei Haarpinsel (das sind die, die rund eingefasst sind und spitz zulaufen).Und zwei Borstenpinsel (flach und breit eingefasst). Und davon jeweils einen in klein und einen in groß.



Pinselreiniger


Nur für Vielmaler empfehlenswert.

Wenn du deine Pinsel nach dem Malen immer mit Seife auswäschst und liegend trocknen lässt, hast du sehr lange etwas von ihnen und kannst dir den Pinselreiniger getrost sparen.



Wasserbehälter


Kauf dir mal wieder leckere Cornichons für den Salat und behalt das Glas. Perfekte Größe! (Und meistens auch ganz hübsch geformt.)



Farbpalette


Sind meistens nicht sehr teuer. Sind leicht und praktisch zu halten, wegen des Lochs für den Daumen.

Wenn du gerade erst startest und es nur mal ausprobieren willst und dir nicht direkt alles kaufen willst, oder kannst, kannst du auch erstmal einen flachen Teller nehmen. Ich würde allerding einen richtigen Teller empfehlen (den du nachher auch nicht mehr zum Essen benutzt) und keinen Pappteller, weil der die Farbe aufsaugen und sie dir somit klauen würde. Es gibt natürlich auch beschichtete Pappteller, und wenn du schon welche da hast, kannst du einen nehmen. Aber bitte nicht extra kaufen! Wir müssen als Künstler versuchen keinen extra Müll zu produzieren, der nicht sein muss.



Kittel


Wenn du ganz fancy sein willst, kannst du dir natürlich einen Künstlerkittel kaufen. Sind meistens nicht ganz so teuer und haben praktische Taschen.

Ein altes Hemd, oder T-Shirt tut’s auch! Oder wenn du ein wenig nähen kannst, kannst du dir auch deinen Künstlerkittel auch selber nähen. Der Schnitt ist sehr einfach und für Anfänger auch gut zu schaffen. Einfach mal im Internet nach „Kittel Nähanleitung“ suchen und dich inspirieren lassen.

Aber, brauchst du denn überhaupt einen Kittel, um zu malen? Jein.

Du wirst dich zwangsläufig irgendwann bekleckern, wenn du malst. Wenn die Farbe noch feucht ist, kannst du sie meistens noch mit warmem Wasser und Seife auswaschen. Wenn der Fleck schon trocken ist und der Kleidungsstoff stabil, kannst du es manchmal noch ausbürsten. Und manchmal bleibt die Farbe einfach drin und du kriegst sie einfach nicht raus. Also zieh dir auf gar keinen Fall deine schicksten Klamotten zum Malen an, wenn du da keine Farbe drauf bekommen willst.



Maloberflächen


Die musst du meistens kaufen. Es gibt eine unheimlich große Auswahl, worauf du mit Acrylfarben malen kannst: Gespannte Leinwände auf Keilrahmen, Leinwand geklebt auf Malkarton, Malkarton, Aquarellpapier. Das wichtigste Merkmal: Das Material darf nicht zu dünn sein und muss Feuchtigkeit aufnehmen können, ohne sich zu verformen.

Du kannst aber auch mal in deinen Keller schauen, ob du noch irgendwelche Reste findest aus Holz, Spanplatte, MDF oder ähnliches. Darauf lässt es sich mit Acryl auch sehr gut malen! Für relativ wenig Geld kannst du auch großformatige MDF Platten aus dem Baumarkt holen, wenn du richtig groß malen willst.



Acrylfarben


Die musst du kaufen, wenn du noch keine hast. Und ich empfehle auf jeden Fall keine super-günstigen Farben zu kaufen. Schau eher im mittleren Preissegment (um die 4,00 € pro 100 ml).




Die minimalistische Palette





Du brauchst nur 6 Acrylfarben. Und zwar Schwarz, Weiß, Gelb, Hellblau, Dunkelblau und ein kühles Rot (kein Tomatenrot!). Mit diesen Farben kannst du alle anderen Farben mischen (außer Neonfarben).




Was sind die Vorteile einer minimalistischen Palette mit nur 6 Farben?


Ganz klar, es ist günstiger als, sagen wir, 20 Farben zu kaufen. Aber es gibt noch weitere Punkte, die dafür sprechen. Durch das Mischen bekommst du ein tieferes Verständnis davon, wie Farben funktionieren. Du wirst lernen Farbtöne zu analysieren und mit wachsender Erfahrung jeden beliebigen Ton nachmischen zu können. Dadurch, dass die Palette begrenzt ist, wird dein Bild auch zwangsläufiger harmonischer. Denn die Farben auf deinem Bild haben alle eine Verbindung zueinander, sie haben alle den gleichen Ursprung: Die minimalistische Palette.

Wenn man schon fertig gemischte Farben verwendet und sie wenig miteinander mischt, kann ein Bild schnell sehr bunt und kindlich aussehen, weil die Farben alle voneinander getrennt sind. Das kann auch toll sein – wenn man denn diesen Effekt erzielen will. Z.B. in der Stilrichtung der Naiven Malerei. Meistens will man das aber nicht, sondern man strebt eher Harmonie an.


Wie ist es bei dir? Wie sieht deine Palette aus? Mischst du dir deine Farben selber zusammen, oder kaufst du lieber alle Töne, die du brauchst?

0 Ansichten0 Kommentare